Das brasilianische Internet

Aug 25, 2013 von

Das brasilianische Internet

Seit 2005 erlebt Brasiliens Wirtschaft einen dauerhaften Boom. Eine modernisierte Sozialpolitik sorgt für ein starkes Wachstum von Konsum und BIP, und das Vertrauen nationaler und internationaler Anleger ist so hoch wie nie. Im fünftgrössten Land der Erde entsteht ein gewaltiger neuer Absatzmarkt. Zwischen 2002 und 2010 wuchs der brasilianische Mittelstand um 21 Millionen Menschen, die ihre Kaufkraft geniessen und begeistert konsumieren. So stieg etwa die Zahl der Passagiere im brasilianischen Binnenflugverkehr zwischen 2009 und 2010 um mehr als 40 Prozent.

Neben der Immobilien- und Reisebranche macht sich der neue Wohlstand im IT Bereich bemerkbar. Gemessen an der Gesamtzahl der Internetverbindungen liegt Brasilien  heute weltweit bereits auf Platz 5,t rotz einer geringen Sättigung. Ende 2010 betrug die Zahl der regelmässigen brasilianischen Internetnutzer 41,7 Millionen, eine Zuwachsrate von 13.2% im Vergleich zum Vorjahr. Auch das mobile Internet boomt, Netzinfrastruktur und Geräteausstattung halten mit der rasant steigenden Nachfrage zur Zeit gerade noch Schritt. Allein bei mit Opera Browsern bestückten Geräten stieg der Datentransfer zwischen 2009 und 2010 um 900%, die Zahl der Seitenaufrufe gar um das Zwölffache.

86% aller brasilianischen Surfer sind begeisterte und regelmässige Nutzer von Sozialen Netzwerken wie Orkut oder Facebook – womit das Land in dieser zukunftsstarken Sparte weltweit Platz 1 belegt. Beflügelt wird hierdurch auch der brasilianische E-Commerce. 2009 setzte die Branche rund 10,5 Milliarden Real um, im Vergleich zu 550 Millionen Real im Jahre 2001. Die Aktien des argentinischen Online Marktplatzes MercadoLibre, der mehr als 50% seines Gewinns über seinen brasilianischen Ableger Mercado Livre erwirtschaftet, legten im ersten Halbjahr 2010 um 100% zu. Im gleichen Zeitraum verzeichnete die Firma  einen Umsatzanstieg um 28.4% auf 52 Millionen Dollar auf dem südamerikanischen Markt. Mitbewerber wie Buscape, PagSeguro, VivaStreet oder Bondfaro legten ähnlich stark zu.

Längst sind internationale Firmen auf diese Entwickung Markt aufmerksam geworden und ziehen mit. So erweiterte unlängst Asknet, weltweiter Anbieter von eCommerce-Lösungen, sein Portfolio um die brasilianische Zahlungsmethode Boleto Bancário. Das zahlkartenbasierte System, über das in Brasilien etwa 20% aller Online-Zahlungen abgewickelt werden, geniesst eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und ist besonders für Nutzer ohne eigene Internetverbindung interessant. Mit der Boleto Bancario  Lösung können diese Nutzer nun auch bei internationalen Anbietern mit einer für sie bewährten Methode einkaufen.

60% aller in Südamerika generierten Online Einnahmen kommen aus Brasilien. Allerdings gehen 95% davon an südamerikanische Anbieter. Sprachliche und kulturelle Kompetenz sind somit absolute Grundvorausetzungen für einen Einstieg in den brasilianischen Markt. So mehrt sich auch in Deutschland die Nachfrage nach spezialisiertem Personal für den brasilianischen Markt. Groupon, Marktführer für lokales Internetmarketing und Social-Shopping, sucht derzeit vermehrt kompetente brasilianische Muttersprachler für seine Berliner Zentrale. MT-Performance, ebenfalls in Berlin ansässig, ist ganz auf iberoamerikanisches Online Marketing spezialisiert und besitzt ein Büro in Sao Paulo. Weitere internationale Anbieter ziehen nach, knüpfen Kontakte und entwickeln Konzepte. Ein Vergleich mit den anderen BRIC Märkten in China, Indien und Russland macht deutlich warum: seine hohe sprachliche Homogenität und seine im Gegensatz zu China (Baidu) und Russland (Yandex) klar durch Google (93%) dominierte Suchmaschinenlandschaft rücken Brasilien ganz nah an Europa heran.