Algendiesel aus Pernambuco – Kraftstoff der Zukunft ?

Mrz 22, 2014 von

Algendiesel aus Pernambuco – Kraftstoff der Zukunft ?

Rund 60 km von Recife im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco befindet sich eine Anlage, die Biodiesel aus Algen produziert. Das Konzept hinter der Technik ist revolutionär: Im Gegensatz zu den sonst üblichen offenen Tanks werden die Algen in fünf Meter hohen Silos gezüchtet. Gedüngt werden sie durch die Abgase einer benachbarten Zuckerfabrik. So können sie kostengünstiges Algenöl produzieren, aus dem Biodiesel gewonnen werden kann. Auf diese Weise ist der Algendiesel mit rund 40 cent sogar günstiger als konventioneller Biodiesel aus Palmöl, Soja oder Raps. Zusätzlich lassen sich die getrockneten Algen als Futterergänzung einsetzen, die doppelt so viele Proteine wie Mais enthält, und Omega-3-Fettsäuren finden Abnehmer in der Kosmetikindustrie.

Entwickelt wurde die Methode von dem ehemaligen Entwicklungshelfer und Umwelttechniker Prof. Hans-Jürgen Franke in Partnerschaft mit den Unternehmen See-Algae-Technology aus Wien und Grupo JB aus Pernambuco. Der brasilianische Nordosten bietet mit seinem heiß-trockenen Klima die idealen Ausgangsbedingungen für das Konzept. Die Algen werden in den Silos nämlich nur indirekt mit Licht versorgt. Solarsammler auf den Dächern der Speicher sorgen für genügend Licht, das dann per Prisma über Glasfaserkabel ins Innere der Silos geleitet wird. Dies ermöglicht, dass im ganzen Behälter Algen wachsen anstatt nur an der Oberfläche, wie es bisher bei den Tanks üblich war.

Das bedeutet weniger Aufwand, Platzbedarf und ermöglicht so die kosten- und ressourcensparende Produktion von Algenöl. Ihr Wachstum wird zusätzlich mit Kohlenstoffdioxid aus einer benachbarten Destille beschleunigt. Rund 2 Tonnen Kohlenstoffdioxid wird benötigt, um eine Tonne Algen herzustellen. Ziel des Projektes ist es, die Anlage auf dem brasilianischen Markt zu etablieren und die CO2-Emissionen von Stahlwerken, Kraftwerken und Zuckerfabriken sinnvoll zu nutzen. „Mit dem Konzept lassen sich grüne Gürtel um Stahlwerke, Zuckerfabriken usw. errichten“, erklärt Rafael Bianchini von See-Algae-Technology Brasil. Neben dem Vorteil, dass bei der Produktion des Biodiesels keine Agrarflächen beansprucht wird, ist auch die zeitnahe Produktion ein großer Vorteil: eine Algenöl-Anlage produziert bereits nach einem Monat Rohmaterial.

Die Entwicklung von konkurrenzfähigeren und zumeist auch nachhaltigeren Techniken zur Erzeugung von Biodiesel mausert sich zur Zukunftstechnoligie. Die Ideen und Methoden werden immer ausgeklügelter, kreative und erfolgreiche Partnerschaften zwischen Investoren und Entwicklern grüner Technologien werden weltweit immer zahlreicher. So perfektioniert der Frankfurter Investor Slobodan Cvetkovic in Florida mit seiner Firma Green Gallon Solutions Methoden zur Weiterverarbeitung von gebrauchtem Speiseöl zu Biodiesel, während der Informatik-Millionär Mike Cheiky mit Cool Planet in Kalifornien an einem Verfahren zur Spaltung von Kohlenstoffen in Biomasseabfällen arbeitet. Oft besteht Kontakt zwischen den einzelnen Projekten – als gemeinsame Foren von Start-Ups, Einzelkämpfern und Investoren dienen unter anderem internationale Konferenzen.  Die Ziele sind ambitioniert. Noch erscheint der Weg zwar weit – sobald sich jedoch kostengünstige und robuste Modelle in der Praxis bewähren,  könnte der Umschwung innerhalb weniger Jahre erfolgen.

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