Das Brasil Plural Filmfestival

Jul 7, 2013 von

Das Brasil Plural Filmfestival

Bereits zum zehnten Mal fand 2011 in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Filmfestival Brasil Plural, bei dem Filmen junger brasilianischer Filmemacher vorgestellt werden, statt. In den vorgestellten Filmen werden die verschiedenen Gesichter Brasiliens aufgezeigt. Dabei werden auch Themen, die sonst nicht über die Landesgrenzen hinweg transportiert werden, aufgegriffen und einem internationalen Publikum nahe gebracht. Gedreht wurden die Werke nicht nur in den Metropolen des Landes sondern auch in ländlicheren Gegenden. Die Themen der Filme sind breit gefächert und die Charaktere, die verfilmt werden, illustrieren die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt des Landes. Rebellische Jugendliche werden ebenso portraitiert wie traditionelle Musikstars. Vor allem die Kurzfilme zeigen die vielen Facetten des Landes, angefangen vom europäisch beeinflussten Süden des Landes bis in den landschaftlich steppenartigen Nordosten. Brasil Plural gastiert in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gezeigt wurden 2011 zwei Kurzfilme und sechs Spiel- und Dokumentarfilme. In Deutschland machte es in zehn großen Städten halt: München, Frankfurt, Köln, Jena, Hamburg, Berlin, Freiburg, Bremen, Stuttgart und Würzburg. In Österreich findet Brasil Plural in Salzburg, in der Schweiz in Bern statt.

Seine künstlerische Glanzzeit erlebte der brasilianische Film mit der sogenannten Cinema Novo Bewegung in den 1950er und 1960er Jahren. Während der Millitärdiktatur und den darauf folgenden wirtschaftlichen Wirren durchmachte das brasilianische Kino seine kritischte Phase, als staatliche Zensur und eine zunehmende Konkurrenz durch das Fernsehen dafür sorgten, dass die Zahl der brasilianischen Kinos um mehr als 50% schrumpfte. Der Tiefpunkt dieser Periode fiel in die frühren 1990er Jahre, als die Regierung Collor sämtliche Gelder für Kulturprojekte strich und die Filmstiftung Fundação do Cinema Brasileiro schloss. Rückläufig wurde diese Entiwcklung erst ab ca. 1995 durch Subventionsprogramme der Regierung Cardoso.

Auf einem unaufhaltsamen Vormarsch befindet sich der brasilianische Film seit der Oscar Nominierung für “O que é isso Companheiro” (Bruno Barreto) und der Verleihung des Goldenen Bären für “Central do Brasil” (Walter Salles) im Jahre 1998. Etwa zeitgleich brachten der Einstieg des Medienriesen TV Globo ins nationale Filmgeschäft und des britischen Multis Terra Firma – in Deutschland bekannt durch den Besitz der Kinokette UCI – in den brasilianischen Filmtheatermarkt wichtige Verbesserungen in den Bereichen Infrastruktur und Distribution. Seit 2002 feiert das brasilianische Kino mit Filmen wie Cidade de Deus (2002, Fernando Meirelles), Carandiru (2003, Hector Babenco) und Tropa de Elite (2007, José Padilha) vermehrt auch internationale Festival- und Kassenerfolge. Festivals wie Brasil Plural machen auf die Werke unbekannterer brasilianischer Filmemacher aufmerksam.

Seit seiner Entstehung hat sich Brasil Plural zu einem angesehenen Projekt entwickelt, dass auch die Unterstützung von Ministerien gewinnen konnte. Bis 2011 konnte die Macher des Projekts auf finanzielle Unterstützung bauen, ohne die das Projekt in seiner gegenwärtigen Form kaum denkbar gewesen wäre. Diese Unterstützung wurde für das Jahr 2012 leider eingestellt. Dies hat zur Folge, dass dieses innovative Filmfestival in Zukunft zunächst aussetzen wird. Es bleibt zu hoffen, dass sich in naher Zukunft neue Sponsoren finden werden, die die kulturell wertvolle Arbeit des Projekts weiter unterstützen werden.